Dr. Heinz F. Wendt: SPRACHEN (Fischer Lexikon Band 25)

Ich weiß nicht mehr, wer Dr. Heinz F. Wendt ist. Ich will nicht lügen. Ich kann mich aber nur entsinnen, sprich, vielleicht bring ich was durcheinander, aber mir kommt es so vor, als hätte das damals mein Dozent so erzählt, dass Heinz F. Wendt ein guter Sprachwissenschaftler ist und irgendwas zu Turksprachen gemacht hat. Das hat mein Dozent so behauptet.

Der Name Heinz F. Wendt, Heinz Wendt, Dr. Heinz Wendt und Dr. Heinz F. Wendt schwirrt im Internet, auch in Verbindung mit Medizin und Marketing umher. Es gibt ein Neugriechischwörterbuch von ihm und einen Türkischkurs. So wenig zum Autor.

Die Empfehlung kam von meinem Dozenten. Es war im Kurs zur Typologie. Ich kann gleich sagen, dass ich nicht ganz glücklich bin mit der Definition, die in Wikipedia angegeben wird. Wer es genauer wissen möchte, soll bitte beim Lehmann googlen. Rechts unten ist die Suchoption. Natürlich kann man auch bei der Bußmann, der Klassiker überhaupt, nachschauen. Wenn jemand sehr interessiert sein sollte, soll sich bitte bei mir per Mail melden. Dann kann ich Materialien zu dem Thema schicken.

Dort wurde auf jeden Fall das Buch wärmstens empfohlen, gleich wird klar, wieso.

Wie erklärt man der Frau in der Kneipe, was Typologie ist? Im Kurs lernt man, wie man Sprachen unter verschieden Aspekten vergleicht. Die Laute von Sprachen, die Grammatik von Sprachen, die Geschichte von Sprachen ect.

Wir versuchen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen zu bestimmen. Wieso unterscheiden sich Sprachen? Was sind die Unterschiede? Gibt es zusammenhänge, z.B. das Sprachen mit wenig Kasus einen festeren Satzbau haben, als Sprachen mit vielen Kasus? Dass, wenn eine Sprache einen Spiranten hat, es immer sein muss?

Über die einzelnen Sprachen haben wir nicht gelernt, u.a., weil es oft schwer ist festzustellen, welche Sprachen miteinander verwandt sind. Aber die wichtigsten Sprachtypen sollte man schon kennen und Beispiele für bestimmte Sprachgruppen.

Wenn also jemand sagt: „Agglutinierend“ sollte die Studentin am Ende des ersten, spätestens zweiten Semesters „Türkisch, Finnougrisch“ rausspucken.

Wenn jemand sagt „Tonsprachen“ sollte die Studentin am Ende des ersten, spätestens zweiten Semesters „Vietnam, Korea, evt. Norwegisch und Dänisch“ rausspucken.

Wenn jemand sagt „Nominalklassen“ sollte die Studentin am Ende des ersten, spätestens zweiten Semesters „Swahili, Dyirbal“ rausspucken.

Nun wurde das Buch im Typologieseminar empfohlen. Es wurde gleich gesagt, dass es nicht mehr herausgegeben wird. Ich habe es mir in der Bibliothek schnell durchgeschaut und habe es sofort bei Ebay ersteigert. Und verschlungen. Und nehme es immer wieder her um schnell mal was nachzuschauen.

Die böse, zynische Seite von mir, die paranoische, ist natürlich davon überzeugt, dass einer der Gründe, wieso dieses Buch nicht mehr verlegt würd, schlicht und einfach der ist, um Deutschlehrerinnen nicht zu verschrecken. Ich habe immer wieder mit Lehrämtlerinnen, Germanistinnen sind da ganz besonders schlimm, zu tun und — mich wundert nicht, dass man mit solchen Lehrer so ein Bildungsniveau hat. Ich versteh auch, wieso meine Lehrerinnen solche Trottel waren; konnte ich mir in der Oberstufe nicht erklären, weil ja alles studierte Leute von der Uni. Auch an der Uni gibt es Deppen.

Kurzer Exkurs ins norwegische Bildungssystem. In Norwegen muss Du bis zur 10. Klasse nicht an der Uni gewesen sein, um zu unterrichten. Es reicht, wenn Du an der Hochschule (vergleichbar mit der deutschen Fachhochschule [NICHTS GEGEN DIE FACHHOSCHSCHULE, DIE IST NUR NICHT FÜR ALLES GEEIGNET!]) warst. Du kannst auch nach Deinem Bachelor einfach so bis zur 10. Klasse unterrichten, wenn die Leute brauchen.

Um in der Oberstufe zu unterrichten, muss man einen Universitätsabschluss haben. Und, weil es in bis zur 10.Klasse (=Grundschule) so zugeht, wie es zugeht, flüchtet sofort jeder mit einem Universitätsabschluss an die Weiterführende Schule/ Oberstufe.

Es ist nunmal so. Those who can — do. Those who can’t — teachIch würde gerne vom Gegenteil überzeugt werden. 10% von den Lehrämtlerinnen, die ich bis jetzt getroffen habe, sind spitze. Der Rest einfach nur peinlich.

Ich bin in der Oberstufe schon an Bücher über Sprachen rangekommen. Ein wenig zumindest. Internet war damals noch nicht so ausgebaut. Ihr wisst schon, damals, vor acht Jahren, als noch Yahoo die Suchmaschiene war.

In meiner Schilderung der Erlebnisse, die ich mit Du Jane- Ich Goethe hatte, schrieb ich folgendes:

„Die oberstufige LadidaLadida hat sich einfach ein Buch gewünscht, dass für sie nachvollziehbar ist, sich jedoch nicht zum zigsten Mal damit auseinandersetzt, dass- o mein Gott!- Indisch mit Russisch verwandt ist, was man an dem Wort für fünf sehen kann.“

Meine Lehrerinnen konnten mir nämlich mit meinen Fragen bezüglich Sprachen nicht weiterhelfen. Tja, heute weiß ich, dass in den wenigsten Lehramtfächern: Sprache der sprachwissenschaftliche Teil anständig angegangen wird. Es ist kein schwerer Stoff; aber wenn sich jemand lieber einen an der Kritik der Rechtschreibreform einen runterholt, anstatt sich mit dem IPA auseinanderzusetzen —

In der Sprachwissenschaft lernt man erst das Einmaleins und dann Bruchrechnung. In vielen Philologien lernt man Bruchrechnungen auswendig und darin besteht auch das Wissen von vielen Lehrerinnen. Vom Einmaleins haben sie im besten Fall mal gehört.

Ich versteh einfach nicht, wieso dieses Buch, wie viele andere, nicht mehr herausgegeben werden. Ich denke, dass es auch daran liegt, weil z.B. in den Schule gar nicht gelernt wird, dass es so was gibt, wie Sprachenwissenschaft, was so schmackhaft daran ist sich mal mit semitischen oder australischen Sprachen zu beschäfftigen. Wie den auch, wenn die Lehrerinnen selber keine Ahnung haben?

Der Punkt ist, dass dieses Buch aus mir unerklärlichen Gründen nicht mehr herausgegeben wird. Deswegen sollte ich erst recht mal paar Wörter zu dem Buch sagen. Ich glaube, es ist klar, dass ich das Buch gut finde.

Wissenschaftsgeschichtlich ist zu bemerken, dass dieses Buch in der Era von Chomsky herausgegeben worden ist, aber kein Gramm Chomsky in dem Buch zu finden ist.

Exkurs für Nichtlinguisten zu Chomsky. Chomsky ist ein sprachwissenschaftliche Theorie entwickelt, die die Welt der Sprachwissenschaft in zwei geteilt hat: In böse und in gute Linguisten. Das zog sich über vierzig Jahre so hin. Z.B. fing meine allererste Sitzung in der Sprachwissenschaft (Einführung in die Sprachwissenschaft) mit den Worten an, dass wir hier keinen Chomsky machen. Ich hatte damals nicht einmal den Namen Chomsky vorher gehört.

Generationen von Studentinnen sind erzogen worden in dem Glauben, dass Chomsky böse ist/ die anderen noch nicht an der großen Erleuchtung teil hatten, ohne, dass einem erklärt worden ist, was so schlimm an den anderen sei. Mittlerweile ist eine Generation am Werkeln die sagt:
– Lasst uns mit diesem alten Streit in Ruhe! Wenn ihr uns nicht mal sagt, wieso die anderen böse sind, dann fickt Euch!
Es geht nicht mehr darum zu beweisen, dass Chomsky recht oder unrecht hatte, der versuch, einen Konsens zu finden. Dieser Streit ist nicht existent für uns.

Das könnte vielleicht ein Grund sein, wieso Dr. Wendt verschwunden ist: Er war zur Hochzeit Chomsky ein Anti- Chomskianer und somit hat er sich seine Karriere „verbaut“. Naja.

Zurück zu dem Buch. Was ein Nachteil des Buches ist, ist, dass es Theorie mit Sprachbeschreibungen mischt. In der Sprachwissenschaft gibt es einen gewissen Grundlagenkanon:

Man beginnt mit der Phonologie. Dort lernt man, wie Laute überhaupt zu Stande kommen und, wie man sie qualifiziert.

Dann lernt man über das, was aus Lauten besteht: Wortteile. Man unterscheidet zwar zwischen Morphemen und Lexemen, aber da ich den Unterschied immer noch nicht kapiert habe, sage ich „Worteile“.

Als nächstes kommen die Verbindungen zwischen den Worteilen- Syntax.

Am Schluss Bedeutungslehre- Semantik.

Da nun das Lexikon- Sprachen, wie es sein sollte, alphabethisch geordnet ist, kommt die Phonologie irgendwo in der Mitte vor, zwischen Persisch und Romanischen Sprachen. Die hätten das so ähnlich machen müssen, wie im Fischer Lexikon zur Literatur. Dort gibt es ein Band zu Epochen und Nationalliteratur und eins zur Gattungen und Stile.

Für´s Studium eignet sich das Buch nicht wirklich. Erstens ist es von 1961. Sprich, es ist nicht mehr aktuell. Es hat zwar eine Literaturliste, jedoch fehlen viele Kanonaufsätze (besonders aus der Typologie) einfach aus dem Grund, weil diese noch nicht geschrieben worden sind.

Ich würde es zwar jeder Studentin im Grundstudium empfehlen, aber mit Warnung, dass dieses Buch nicht zitierfähig ist.

Desweiteren sind die Artikel von der Qualität her verschieden. Liegt sicherlich auch daran, weil dieses Buch von einer einzigen Person geschrieben worden ist- mehrere Spezialisten wären besser gewesen. Aber es ist gut gemacht. Die Sprachen werden auf eine verständliche Weise so beschrieben, wie es in der Sprachwissenschaft üblich ist.

Für eine Neuauflage würde ich vorschlagen, dass die einzelnen Artikel nochmal überarbeitet werden, dass es eine Aufteilung in Theorie und Einzelsprachen gibt und, dass die Literaturliste aktualisiert wird. So ´ne Art Bußmann for Dummies 😈

Eine eindeutige Empfehlung von mir. Ich sage: Wenn Euch Sprachen interessieren, kauft Euch das Buch. Wenn ihr kurz vor dem Abitur steht oder über einen Fachwechsel nachdenkt und Euch für Sprachen interessieren DANN KAUFT DAS BUCH ❗ ❗ ❗

Ich hab´ nachgeschaut. Gibt´s gebraucht bei Amazon, wie auch Ebay.

Was ich mir und Euch wünsche.

 

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1 Comment

  1. Guten Tag ,
    Dr. Heinz -Friedrich Wendt lebte bis 2006 in Cuxhaven, wo er am 31.August (92 jährig) früh gegen 7 Uhr in seinem Bett verstarb ! Er war die letzten Jahre an Altersdiabetis erkrankt und erblindet !
    Er wurde in Cuxhaven eingeäschert und im Familiengrab in Berlin beigesetzt.
    Ich hatte das große Glück ihn die letzten 7 Jahre seines Lebens zu betreuen.
    In dieser Zeit habe ich viel von ihm gelernt. Vor allem DEMUT zu haben !
    Er war ein Sprachgenie.
    Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande .

    Walter Hähnel

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