Vorbilder

Gestern war ein Abend. Es war schön, weil mich kaum jemand kannte, es war nervig, weil ich Leuten über denn Weg lief, die ich liebend gern meide. Wie man aus früheren Einträgen schlussfolgern kann, habe ich für unser Institut gelebt und wurde mit der Zeit immer verbitterter. Gesagt sei hier, dass es einen kräftigen Bruch gab und ich mittlerweile mit der Sache abgeschlossen habe, aber noch immer die Leute meide. Der Rest ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Ich warte nun, bis mich jemand auf diesen Abend anspricht. Ich habe nämlich auf einer Veranstaltung mit Musik und Tanzfläche nicht nur getanzt, sondern auch noch in der Öffentlichkeit. Ich kleines, unsportliches, rundes und tollpatschiges Ding bringe in München Leuten auf Feiern zum Tanzen. So sehr ist in München der Bär los.

We all had a terrific time. Zumindest ich. Mir war wichtig, dass die anderen sich auch prächtig amüsierten, aber hier versteht man unter Amüsieren das abhängen bei Tischtennisplatten, Bier trinken und rauchen, statt wenigstens kurz mal reinzuschauen, wenn Dich jemand schon zum vierten Mal dazu auffordert und Dir ein Bier spendieren möchte. Da, wo ich herkomme, gilt so ein Verhalten als unhöflich; wenn Dir jemand versucht eine Feier schmackhaft zu machen und/ oder Dir gerne jemanden vorstellen möchte, spätestens nach der zweiten Aufforderung kommt man mit und stiehlt sich eventuell nachher wieder fort.

Was mich über mich selber überraschte, war meine Lockerheit. Ich hatte viele Bedenken dort hinzugehen, weil ich immer noch Leute meide, die mir nicht gut tun. Ich hatte auch die ganze Woche damit verbracht rumzufragen, ob nicht jemand mit mir mitkommen würde, aber alle waren in zu Hause in Venedig oder hatten Familie zu Besuch oder schlicht und einfach Spätdienst [gerade ist Deutschland Weltmeister geworden].
Ich bin dann doch hin und bin auch auf Leute gestossen, die ich eher meiden möchte. Aber es machte mir nichts aus, es war mir auch nicht egal. Obwohl ich festgestellt habe, dass es mir gut geht, u.a., weil ich mich nicht mehr an anderen orientiere; irgendwie ging es mir nicht gut. Es ist schön, sich nicht mehr gezwungen zu fühlen sich an anderen zu messen; aber damit fällt auch ein Orientierungspunkt weg. Woran soll ich mich nun orientieren?

Vielleicht brauch ich keine Vorbilder mehr?

Teenager tapezieren sich ihre Wände oft mit Postern von ihren Vorbildern zu, aber irgendwann, spätestens beim Auszug aus der Wohnung, in der man während des Studiums gewohnt hat, kommen die Posters ab, habe ich den Eindruck. Hat es tatsächlich was damit zu tun, dass Bandposter nicht in “Erwachsenenwohnungen” gehören? Oder, weil man sich nicht mehr so konstatieren muss/ will/ bracht?

Woran orientiert mach sich, wenn man keine Vorbilder mehr hat?

Seitdem ich festgestellt hab´, dass ich keine Vorbilder mehr habe und brauche, geht´s mir besser. Wahrscheinlich bin ich mir dessen, was ich will und brauche so sehr sicher, dass ich keinen Orietnierungspunkt außerhalb von mir mehr brauche.

Was ich mir und Euch wünsche.

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1 Comment

  1. Das ist so schön ausgedrückt, besonders der letzte Absatz. Also der vorletzte. Und der letzte natürlich auch. Ach…! 😉

    Was ich sagen wollte: Ich freu mich für Dich. ❤

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