Latein

In einer norwegischen Zeitschrift ist für diesen Monat das Thema Sprachen gewählt worden. Da die Zeitschrift sowieso sehr nett ist, wurde sie gekauft. Was mir auf dem Titelbild auffiel, war die Werbung für einen Artikel, wo die Frage gestellt wird, welche Sprache man nach Englisch lernen sollte. Spanisch? Arabisch? Latein? Madarin?

Latein? Eine ungewöhnliche Wahl für Norwegen. Es gibt kaum noch Leute in diesem Land, die Latein können. Nur noch an zwei Schulen wird in Norwegen Latein gelehrt. Auch an der Uni ist eine Geisteswissenschaftlerin, die Latein beherrscht, eine Seltenheit. Wenn, dann sind es entweder Ausländerinnen und/ oder über fünfzig.

Obwohl Latein an meiner Schule angeboten wurde, hatte ich mich dagegen entschieden,  habe stattdessen Russisch genommen. Ich bin froh, dass ich diese Wahl getroffen hatte, obwohl die Lateinklasse von den Schülerinnen und der Lehrerin cooler wirkten.

Meine Mama hat klassische Philologie studiert. Schon mit zehn wollte ich Latein lernen, entschied mich dann aber für Englisch als erste Fremdsprache.

Mit Freuden begann ich an der Uni meinen Latinumskurs. Damals war ich große Verteidigerin des Lateinischen. Ich plädierte für die Latinumspflicht, regte mich über SPIEGELonline- Artikel auf, in denen behauptet wurde, das Latinum wäre heutzutage unnütz und hörte mir gerne Disskusionen zu diesem Thema an.

Dem länger ich jedoch studierte, desto gleichgültiger wurde ich gegenüber dem Thema. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ohne Lateinkenntnisse durch´s Leben wandern kann. Mir ist schon klar, dass es viele Leute gibt, die kein Latein können und gut damit leben. Ich kann es aber für mich nicht vorstellen. Ich studiere ja auch alte Sprachen und so. Verwunderlich finde ich es, dass ich mich fast schon rechtfertigen muss, wieso ich alte Sprachen studiere. Nicht, weil ich Steuergelder verschwenden könnte, sondern, weil es für eingie Leute anscheinend zu abstrakt ist. Wozu braucht man Latein, es gibt doch Übersetzungen! Leute, es gibt einen großen Unterschied zwischen Übersetzung und Original; jede Übersetzung ist eine Interpretation und nicht der Text selber.

Ich beschäftige mich gerne mit antiker Kulturgeschichte u.ä. Die Sprachen sind nunmal Altgriechisch und Latein. Bei dieser Passion helfen Lateinkenntnisse weiter.

Latein war bis vor kurzem eine weitverbreitete Sprache. Zwar nicht im gesprochenen, aber auf jeden Fall im geschriebenen Wort. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an manchen Universitäten verlangt die ganze Doktorarbeit auf Latein zu schreiben. Noch bis vor Kurzem (sagen wir mal, bis Ende der 1980iger, Anfang der 1990iger) war es üblich in Fachbüchern oder Fachartikeln einfach so eine lateinische Phrase einzuwerfen, ohne, dass irgendwo stand, was es bedeutete. Auch hier helfen Lateinkenntnisse weiter.

Dann gibt es Arschlöcher, die Dich mit lateinischen Zitaten fertig machen wollen, weil Du zur dieser ungebildeten Internetgeneration gehörst, die Alexander den Großen vom Karl den Großen nicht unterscheiden können. Dank Lateinkenntnisse lassen Dich diese Arschlöcher in Ruhe.

Was ich mir und Euch wünsche.

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