Fear and loathing in 2016

Wie ruhig war doch die Welt zur Zeit der Tragödie von Smolensk. Es fing im September 2011 an, dann kam der Afganistankrieg, Moskau, Irak, Moskau, Madrid, London, Oslo, NSU, Boston, Paris. Vergessen habe ich Tunis (11.04.2002), Bali (12.10.2002) und Indien (11.07.2006).

Klar, heute kriegt man alles sofort mit. Als 1906 das Erdbeben in San Francisco losging, hat Europa davon teilweise erst Tage danach erfahren. Man würde deswegen Ereignisse intensiver wahrnehmen, als früher, weil man ständig mit Nachrichten bombardiert werden würde. Ich gebe zu: Ereignisse aus der ganzen Welt sind heute über die Nachrichtenkanäle (sei es Internet, Radio, Zeitung oder Fernsehen) in unserem Alltag präsenter; gleichzeitig hat man sich ja schon daran gewöhnt, verarbeitet dies vielleicht besser.

In den letzten Monaten habe ich ein Interesse für Zeitzeugenberichte aller Art zu entwickelt, sowohl Authentisches wie Biographien oder Monographien, wie auch Fiktives, wie Romane und Filme. Wie sah Hollywood in seinen Anfänge aus (Charlie Chaplins Autobiographie), wie gingen die Ausgrabungen im Mittleren Osten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts vor (die Memoiren von Agatha Christie), wie war Berlin kurz vor der Kapitulation (Der Untergang) und kann man sich das Leben in den Schützengräber in all seinen Grausamkeiten beschreiben (Im Westen nichts Neues? und Der Weg zurück).

Und nun möchte ich kurz berichten, wie es ist im Jahre 2016 zu leben. Denn spätestens nach den parisern Novemberanschlägen fühle ich ein starkes davor und danach. Nach diesen Anschlägen stehe ich jeden morgen auf und beim Einschalten des Fernsehers bzw. Aufklappen des Laptops bin ich froh, dass in dieser Nacht nichts passiert ist. Es ist schon so, dass jeden Tag was passiert. Auch davor gab es Tragödie, aber es hat nicht das unmittelbare Umfeld betroffen. Es hat nicht mich betroffen. Denn mittlerweile gab es auch in München eine Terrorwarnung. Mittlerweile verzichte ich auf meine spätabendliche Spaziergänge von der Uni über den Gärtnerplatz zur Fraunhoferstr.

Es hat einen Einfluss auf Deinen Alltag. Ich lebe nicht mit einer ständiger Todesangst, das nicht. Aber ich richte meinen Alltag danach. Wenn die S-Bahn wieder mal Verspätung hat und die Anzeige was von „Polizeieinsätze“ erwähnt – man macht sich da schon seine Gedanken.

Es heißt, der Terror hätte gesiegt, wenn man sich veränstigen lasse. Sollte man nicht trotzdem vorsichtig sein? Wie ist es also nun in einer Welt zu leben, in der man täglich damit rechnet, dass wieder was in die Luft geht? Ich mache mir viele Gedanken um die Flüchtlingspolitik. Vor paar Monaten fand ich es unsere Pflicht als Europäer alle Flüchtlinge aufzunehmen, da durch die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents überhaupt diese Zustände, vor denen die Menschen fliehen, entstanden sind. Schon damals fand ich es bedenklich, dass 96% der Flüchtlinge junge Männer waren, was man z.B. in den Broschüren der Stadt München zum Thema Sachspenden lesen konnte. Aber (leider?) schenkte ich dem keine Beachtung.

Ich würde gerne verstehen, was diese jungen, fanatischen Islamisten zu eben solchen macht.

Was ich mir und Euch wünsche.

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1 Comment

  1. Ich bin seit einem knappen Jahr dabei, Geflüchtete zu begleiten. Ich habe ausnahmslos Menschen kennen gelernt, die sich bei uns Schutz vor Krieg und Verfolgung erhoffen. Die Angst vor diesen Menschen verliert man ganz leicht, indem man sie kennen zu lernen versucht. Es lohnt sich. Für diese Menschen. Für einen selber. Für unsere Gesellschaft.

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