Das Jahr 2200- als die Welt noch in Ordnung war

Dieser Artikel wurde am 30.04.2010 veröffentlicht. Star Trek ist immer noch einfach absolut und peerfekt. Leonard Nimoy ist mittlerweile tot.
Ich habe wieder die Möglichkeit nachmittags Star Trek zu schauen und es erstaunt mich, dass ich mich an manche Folgen überhaupt nicht mehr erinnern kann, an andere nur bruchstückhaft oder ich bringe Geschichten durcheinander. Star Trek enthält so viel, es ist eine ganze Mythologie.

Was ich mir und Euch wünsche.

Ich habe mich verliebt. Eindeutig. Ich habe eine Schwäche für Q, Picard Intelekt macht ihn richtig sexy, Chakoty hat dieses Mystisch- Rebellische an sich, Dr. Bashir ist ein richtiger Charmeur, aber dieses Mal hat es mich richtig getroffen:

Captain James T. Kirk

Ich muss ungefähr acht gewesen sein, Mama stieg in TNG in irgendeiner späten Season ein- und ich mit. Ich mußte mich einarbeiten. Ich weiß noch, dass ich etwas gebraucht habe zu kapieren, dass Data ein Android ist und was ein Android überhaupt ist. Als dann die Serie nochmal von Anfang an wiederholt worden ist, habe ich natürlich endlich den ganzen Zusammenhang verstanden. Was mir damals gefehlt hat, waren zwischenmenschliche Beziehungen. Viele Jahre später, also vor einem Jahr, hatte ich dann doch die subtilen Andeutungen in der Serie verstanden. Außerdem habe ich mich endlich mit den amerikanischen Beziehungsregel außeinandergesetzt und kapiere nun Beziehungskisten in amerikanischen Serien prinzipiell besser.

Als nächstes habe ich mich an Deep Space Nine versucht, diesmal ohne Mooggie. Es ging einfach nicht. Die einzige Figur, mit der ich irgendwas anfangen konnte, was O´Brien- und den konnte ich zum damaligen Zeitpunkt nicht ausstehen. Die ganze Serie kam mir so langweilig vor!

Wir hatten mit Mooggie anfangs Probleme bei Voyager alles genau mitzuverfolgen; aber es war definitiv leichter dort einzusteigen, als bei DS9. Es war ein ähnliches Konzept, wie bei TNG- ein Raumschiff, seine Crew und ihre Geschichte. Paar Raumanomalien, paar persönliche Geschichten und einen ziemlich strammen Entwicklungsstrang. Wir waren begeistert!

Einige Jahre vergingen und ich erzählte Freunden von meinem Problem mit DS 9. Alle meinten, dass die ersten Folgen tatsächlich sehr langweilig seinen, aber danach würde es nur noch besser werden. Und es ist wirklich so.

Ich habe mir gerade überlegt, dass DS 9 die StarTrek-Serie ist, zu der ich den emotionalsten Bezug habe. Vielleicht, weil ich die Serie zur Zeiten anschaute, wo es mir sehr schlecht ging und ich mich sehr nach einer Welt sehnte, wo alles wieder in Ordnung kommt und jeder am Ende seine große, wahre Liebe findet und das Gute siegt.\\
Aber das stimmt nicht ganz. Ich hatte mir eine ganze Traumwelt um die Enterprise aus TNG aufgebaut. Ich hatte mir vorgestellt, wie es sein würde, als Offizier unter Picard zu dienen.

Was sehr erfrischend an DS 9 ist, ist einerseits die Entwicklung der Geschichte im Laufe der Serie und andererseits, dass auch menschliche Aspekte gezeigt werden. Es wird nicht nur von Außerirdischen und temporalen Anomalien erzählt, sondern auch über das entstehen von Freundschaften und Beziehungen. Die ganze Geschichte um den baioranischen Widerstand und später den Maquis ist wahnsinig cool.

Sehr witzig ist dieses Amerikanische in der Serie:

Wir sind in der Minderzahl, wir haben kaum Schiffe übrig und es sieht schlecht aus. Trotzdem werden wir den Krieg gewinnen, DENN WIR SIND AMERIKANER!

„Denn wir sind Amerikaner“ kommt natürlich nirgendwo vor, aber viele der Dialoge in DS 9 klingen danach. Im Zusammenhang mit Amerikas neusten Ambitionen den Mittleren Osten zu befriedigen empfinde ich dies als eher störend.

Politisch ist wahrscheinlich das richtige Wort: DS 9 ist im Gegensatz zu allen anderen Serien sehr politisch. In TNG wird niemals an den Idealen der Sternenflotte gezweifelt, in Voyager gibt es paar solche Momente, aber kaum ausgeprägt. In DS 9 sind es richtige moralische Dilemmata; und natürlich siegen am Ende die Ideale der Föderation, weil wir Amerikaner sind.

Zusätzlich ist zu sagen, dass wir mit Moogie Star Trek: Voyager ganz verstanden haben, nachdem wir DS 9 zu Ende geschaut haben. Ich habe es zwar nie als störend empfunden, aber es hat dann nochmal einen anderen Blickwinkel gegeben.

Ich habe die allerneuste Serie Enterprise versucht anzuschauen. Es geht nicht. Die Serie will auf Teufel-komm-raus retrosein und es gelingt einfach nicht.  Außerdem passt das alles mit dem Rest des StarTrek-Universums nicht zusammen. Vieles erscheint im Anbetracht des späteren Laufs der Geschichte unglaubwürdig.

Nun bin ich im Jahr 2200 angelangt, oder eigentlich zurückgekehrt. Es ist echt abgefahren, weil ich schaue die Serie mit der selben Sentimentalität, wie die Figuren aus den späteren StarTrek-Serien über die alte Enterprise sprechen. Im Gegensatz zu der Enterpriseserie, also die allerneuste aus der Star Trek- Reihe, ist das wirklich retro, einfach, weil es tatsächlich in dieser Zeit spielt.

Alles ist so… unkompliziert. Es sind Helden, die auch mal Regeln brechen. Es ist nicht so steif, wie die späteren Figuren aus der StarTrek-Reihe.

Ich war etwas enttäuscht, als ich sah, dass es nur drei Staffeln sind. Ich bin an die sieben Staffeln von TNG, DS 9 und Voyager gewöhnt. Aber hier ist jede einzelne Folge wirklich gut. In den anderen StarTrek-Serien gibt es Folgen, die schlecht sind, die langweilig sind, die blöd sind und dann nicht mehr anschaut.

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And the Beat goes on…

In Oslo haben wir im Wohnzimmer nur ein Fenster, dafür ist es riesengroß.

BabyBruder hängt aus dem Fenster heraus, in der einen Hand den Scheibenwischer, mit der anderen Hand sich am Fensterrahmen festhaltend. Auf seinen Wunsch drönnt Reaggee. Mooggie lehnt an meiner Schulter und erkundigt sich, ob sie jetzt schon einen Rechner bekommen kann. Die Musik verblödet uns. Ich liebe Jazz.

Nach einer Stunde ist BabyBruder mit dem einen Fenster fertig.

Ich geh und schau nach meinen Auberginen. Dies ist ein perfekter Moment.

Das ist ein Text, den ich im April 2010, also vor nun mehr fast sechs Jahren geschrieben habe. Es hat was beruhigendes, er ist sechs Jahre alt. Er beschreibt, dass es vor sechs Jahren perfekte Momente gab. Vor sechs Jahren war alles anderes und auch gut und nun ist es auch gut, wenn auch anders, als man es sich vor sechs Jahren hätte vorgestellt. Auch sechs Jahre danach gibt es perfekte Momente.

Das riesengroße Fenster gibt es nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, wie das Bad aussah, ich weiß nicht mal mehr, welche Hausnummer es war. Vielleicht liegt es daran, dass die Wohnung im Nachhinein nicht so wichtig war, vielleicht liegt es daran, dass es eine sehr bedrückende Zeit war. Bedrückend wie auch immer, perfekte Momente gab es trotzdem. Der springende Punkt ist, dass es mir damals als ein ziemlich wichtiger Teil meines Lebens erschien und ich mich nun an bestimmte Einzelheiten nicht erinnern kann.

Andere Dinge ändern sich nie. BabyBruder hört bis heute noch Reaggee, dafür ist es schwierig ihn dazu zu bewegen Fenster zu putzen. Jazz — mmm — immer noch meine große Liebe. Die Auberginen habe ich erst letzte Woche gemacht. T. liebt meine Auberginen, zu dem Zeitpunkt, als der obere Text geschrieben wurde, gab‘ T. in meinem Leben noch nicht. Heute kann ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

And the beat goes on. Was ich mir und Euch wünsche.

DER SPIEGEL

Dieser Text stammt vom 18.04.2010:

Ich war großer SPIEGEL- Fan, es war das ersten Nachrichtenmagazin, dass ich angefangen habe zu lesen. Damals war ich zwölf und zu Teils habe ich damals noch nicht alles mitbekommen und verstanden, was der SPIEGEL schrieb. Ich hatte auch versucht Focus oder den Stern zu lesen, aber die waren mir zu banal. Ich und BabyBruder haben uns immer über Mooggie lustig gemacht, wenn sie einmal im Jahr den Stern oder Focus zur Abwechslung kaufte:

– Der Focus und der Stern haben deswegen so viele Bilder, weil die Leser nicht lesen können!

Als ich nach Bayern kam, abonnierte ich mir sofort den SPIEGEL. Irgendwann musste ich ihn abbestellen, weil ich mit dem Lesen nicht nachkam. Und obwohl manche der Ausgaben schon über ein Jahr alt waren, gab es immer noch was interessantes zu lesen.

Ende letzten Jahres habe ich es dann nochmal mit einem Probeabo versucht, zu dem ich eine wunderbare Schultasche bekommen habe. Zehn Wochen lang. Das deprimierende: Manche Ausgaben habe ich ohne einen einzigen Artikel gelesen zu haben weggeworfen, weil  es einfach nichts zu lesen gab. Was ist denn passiert? Mit Hilfe von Wikipedia fand ich herraus, dass der Redakteur ein anderer ist: Die haben Stefan Aust, den ich sehr schätze, rausgeekelt und zwei befördert, von denen ich nie was gehört habe. Weil angeblich das Niveau unter Aust zu niedrig war; als ob es jetzt besser wäre…

Aber letztes Wochenende haben die den Vogel abgeschossen:

Der Präsident Polens ist mit ein paar anderen wichtigen Leuten mit dem Flugzeug abgestürzt. Noch vor fünf Jahren, wenn sie es nicht gleich auf die Titelseite gebracht hätten, hätten sie versucht, wenigstens eine Reportage mit in die nächste Wochenausgabe zu bringen. Was kam- Hilfe! Pubertät! Ein kleiner Ratgeber zum Großwerde.

Post Scriptum, 08.02.2016:

Mittlerweile hat sich auch das Layout vom SPIEGEL geändert, vom Inhalt her ist es sicherlich nicht besser geworden und ich denke kaum, dass das Niveau noch zu senken wäre. Jetzt hat die deutsche Zeitschriftenlandschaft drei fast gleiche Zeitschriften auf dem selben Niveau. Der SPIEGEL war einfach immer eine gute Alternative zum Focus und Stern.

Die Sonderhefte (SPIEGEL Geschichte oder SPIEGEL Wissen) sind interessant und lesenwert, wenn auch teuer. Die empfehle ich definitv weiter.

Was ich mir und Euch wünsche.